„Wir sind live“ ist im Projektplan schnell der letzte Eintrag. Danach ist der Kalender leer, das Budget aufgebraucht – und die eigentliche Frage kommt erst jetzt: Was muss in den nächsten drei Monaten passieren, und wer macht es?
Dieser Artikel ist der Ablaufplan für diese 90 Tage: Vorbereitung, Testdurchlauf und Store-Einreichung stehen woanders, hier geht es um die Arbeit nach der Freigabe.
Woche 1: hinsehen, nicht bauen
Jetzt läuft deine App auf Geräten, die in keiner Testrunde vorkamen – ein altes Android-Telefon, Systemschrift auf 200 Prozent, eine abbrechende Verbindung. Diese Woche gehört deshalb dem Hinsehen. Drei Aufgaben, jeden Tag:
Absturzrate und Fehlerberichte lesen. Zwei Werte genügen: der Anteil der Sitzungen ohne Absturz und die Frage, ob ein Fehler breit auftritt oder nur ein Gerätemodell betrifft. Daran entscheidest du, ob sofort ein Update nötig ist. Ohne eigenes Fehlerberichts-Werkzeug siehst du, was die Store-Konsolen von sich aus zeigen: Apple die Abstürze im Crashes-Bereich von Xcode, Google Play die Android Vitals – beides nur von Nutzern, die ihre Diagnosedaten teilen (Stand 2026, nach Apple und der Play-Console-Hilfe). Eingebaute Berichte zeigen mehr › Was ein MVP nicht weglassen darf.
Und hier der Satz, der gegen unseren Umsatz spricht: dafür brauchst du uns nicht. Die Konsole öffnest du selbst; von uns brauchst du die Behebung, nicht das Hinsehen.
Einen Rückmeldeweg offen halten. Ein Eintrag „Feedback senden“ in der App, eine Adresse, die wirklich jemand liest, oder bei einer internen App eine benannte Person. Wichtig ist nur: Dieser Weg muss kürzer sein als der ins Bewertungsfeld des Stores.
Bewertungen ansehen und beantworten. Antworte sachlich und kurz, gerade auf die unfreundlichen, und nimm den Inhalt in die Fehlerliste auf › App-Store-Optimierung für kleine Anbieter. Auch das liegt bei dir besser als bei uns: Du kennst den Kunden, der da schreibt.
Woche 2 bis 4: das erste Korrektur-Update
Ein erstes Korrektur-Update planst du besser ein, bevor du weißt, was darin steht – sonst sprengt es später den Plan. Leg ein Datum fest, etwa das Ende der dritten Woche, und sammle bis dahin: Abstürze, blockierte Abläufe, missverständliche Beschriftungen, Stellen, an denen Nutzer erkennbar stehen bleiben. Nicht hinein gehört alles, was neu ist.
Rechne bei jedem Mal mit der Store-Prüfung. Apple gibt an, alle Apps und App-Updates zu prüfen, die in App Store Connect eingereicht werden, und nennt als Durchschnitt, dass 90 Prozent der Einreichungen in weniger als 24 Stunden geprüft werden (Stand 2026, nach Angaben von Apple). Google Play prüft Updates ebenfalls und weist darauf hin, dass einzelne Apps einer erweiterten Prüfung unterliegen können, die bis zu sieben Tage und in Ausnahmefällen länger dauern kann (Stand 2026, nach Angaben der Play-Console-Hilfe). Das sind Angaben der Anbieter, keine Zusage für deinen Fall: Nenne kein Datum, das nicht du in der Hand hast › App im Store veröffentlichen.
Monat 2: nachsehen statt vermuten
Jetzt wechselt der Blick von der Technik auf die Nutzung. Drei Zahlen reichen: Aktivierung, Wiederkehr und die Stelle, an der abgebrochen wird. Was dahintersteckt, wie sich das datensparsam erheben lässt und wo eine Einwilligung ins Spiel kommt, steht in App-Analytics ohne Datenschutz-Ärger; die Bewertung deines Falls gehört zu deinem Datenschutzbeauftragten oder Anwalt.
Dazu die unbequeme Frage. Vor dem Projekt stand ein Satz darüber, was die App besser machen soll – weniger Nachfassen, Aufträge ohne Zettel, Termine ohne Telefon. Halte ihn gegen die Zahlen. Wird die App geöffnet, der eigentliche Vorgang aber nicht abgeschlossen, lohnt der erste Blick dem Ablauf und nicht der Funktionsliste › Damit deine App wirklich genutzt wird.
Monat 3: entscheiden und in Rhythmus kommen
Nach drei Monaten hast du Zahlen. Entscheide die nächste Stufe auf dieser Grundlage, nicht auf der Wunschliste:
- Ausbauen. Der Kern wird genutzt, und an einer klar benennbaren Stelle fehlt etwas.
- Nachschärfen. Die App wird geöffnet, der Vorgang aber nicht beendet. Dann ist die nächste Arbeit Vereinfachung statt Erweiterung.
- Stehen lassen. Die Nutzung bleibt aus, und niemand kann benennen, welche Aufgabe die App übernommen hat. Dann ist unsere ehrliche Empfehlung, nichts weiter zu beauftragen: laufen lassen, warten, und das Geld nicht in eine zweite Stufe stecken, für die die Grundlage fehlt.
Parallel wird aus dem täglichen Hinsehen ein Rhythmus: monatlich Absturzrate, Bewertungen und die drei Zahlen; quartalsweise Abhängigkeiten und Sicherheits-Aktualisierungen; jährlich die neuen iOS- und Android-Hauptversionen. Was davon in einen Vertrag gehört und was Weiterentwicklung ist, steht in Was gehört in einen Wartungsvertrag?.
Was in diesen 90 Tagen nicht passieren sollte
Neue Funktionen bauen, bevor klar ist, ob die vorhandenen genutzt werden. Der Anlass kommt von selbst – eine Rückmeldung, eine Idee aus dem Team. Wer drei Monate in Erweiterungen steckt, hat danach mehr App und dieselbe offene Frage. Die Ausnahme ist eng: ein Fehler, der einen Ablauf blockiert. Der ist kein Wunsch, sondern Reparatur.
Wer das macht – und was es kostet
Bei dir bleibt, was Urteil braucht: Bewertungen beantworten, Rückmeldungen einordnen, entscheiden, was ins Update kommt. Steht dieser Aufwand nirgends in deinem Kalender, bleibt er leicht liegen. Bei uns liegt, sobald Wartung beauftragt ist, was Zugriff auf Code und Konten braucht: Fehler beheben, Bibliotheken aktualisieren, Updates einreichen, Rückfragen aus der Prüfung beantworten.
In Zahlen: Unsere Wartungspakete beginnen bei 150 € netto im Monat, als Faustregel für Wartung und Weiterentwicklung rechnen wir mit 15–20 % der Projektsumme pro Jahr. Angenommen, dein Projekt hätte 40.000 € gekostet: Dann lägen 15–20 % bei 6.000–8.000 € im Jahr, also rund 500 bis 670 € im Monat. Store-Gebühren und Hosting kommen oben drauf. Setz deine eigene Summe in den Betriebskosten-Rechner ein. Alle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer – unser Angebot richtet sich an Unternehmen, Selbstständige und Organisationen.
Fazit
Vier Schritte: Woche 1 täglich hinsehen und antworten. Woche 2 bis 4 das eingeplante Korrektur-Update – mit Datum und Luft für die Prüfung. Monat 2 drei Zahlen statt Vermutungen. Monat 3 die Entscheidung über die nächste Stufe, dazu ein Wartungsrhythmus. Neue Funktionen warten bis danach.
Liegt dein Launch noch vor dir: Was vorher zu sortieren ist, steht in der Vorbereitungs-Checkliste. Und wenn du die ersten 90 Tage für deine App durchsprechen willst – wer hinsieht, wer antwortet, was ins erste Update kommt –, tu das im kostenlosen Erstgespräch. Wir antworten werktags innerhalb von 24 Stunden, auch dann, wenn die ehrliche Antwort lautet: Sieh dir erst drei Monate Zahlen an, bevor du das Nächste beauftragst.